Ach könnte man am Weltfrauentag nur mehr shoppen!

Worte

Letzten Freitag war Weltfrauentag. Ein wichtiger Tag, der dringend gebraucht wird. Das Konzept für diesen Feiertag gibt es schon seit über hundert Jahren – seit 1917 wird er am 8. März gefeiert. Erdacht wurde er mit dem Ziel die Gleichberechtigung voranzutreiben; damals ging es dabei hauptsächlich um das Frauenwahlrecht, heute stehen andere Probleme im Vordergrund, wie niedrigere Bezahlung und Chancenungleichheit für Frauen. Außerdem ist es ein Tag an dem wir die Leistungen von Frauen ausgiebig zelebrieren können. Und ich möchte gerne an all dem teilnehmen, und all die wunderbaren Frauen auf der Welt feiern, ihre Fähigkeiten, ihr Potential. Ich möchte ihre Erfindungen, Bauwerke, Bilder, Musik, Ideen und Erfolge loben und ganz einfach ihre Gesellschaft genießen. Was ich am Weltfrauentag nicht möchte, ist billigen Scheiß kaufen, den ich eigentlich nicht brauche, damit große Firmen ihren Profit steigern können.

Es nervt mich, wie kommerzialisiert der Weltfrauentag ist. Die ganze Woche lang habe ich Werbung für Sonderangebote bekommen, von Mode und Make-up Geschäften („Gut, sei eine starke Frau, aber um Himmels Willen, sieh doch bitte nett aus dabei!“), von Buchhandlungen („Nimm dir jetzt eine praktische Textsammlung starker Frauen mit, bevor wir den Sondertisch wieder wegräumen und du wieder lange nach weiblichen Autoren suchen musst.“), sogar von Reiseunternehmen. Was hat all das mit der Idee des Weltfrauentags zu tun? Es geht dabei nicht darum, Sachen günstiger zu bekommen oder billig zu verreisen.

Flixbus zum Beispiel hat mich in seinem Newsletter dazu aufgefordert, mich selbst oder andere „starke, wundervolle Frauen“ mit einem Bus-Trip zu verwöhnen. Dabei wurde nicht mal irgendein Preisnachlass angeboten; das Unternehmen hat den Weltfrauentag nur als einen Verkaufs-Slogan benutzt. Hat Flixbus den Weltfrauentag noch irgendwie anders gefeiert? Haben sie zum Beispiel an einen gemeinnützigen Verein für Frauenrechte gespendet? Haben sie etwas Nettes für ihre Mitarbeiterinnen organisiert? Von denen es Berichten zufolge übrigens sowieso nicht sonderlich viele gibt, und gar keine im Vorstand des Unternehmens. Wenn man auf den Frauentags-Zug aufspringen und daraus Profit schlagen will, sollte man zumindest einen Teil zurückgeben.

Mir ist natürlich klar, dass Kapitalismus eben so funktioniert, dass hier nichts anderes passiert als an Weihnachten und Ostern und Muttertag und Vatertag und so weiter und so weiter. Aber das heißt ja nicht, dass ich das gut finden und leise akzeptieren muss. Mein Appell an alle Firmen lautet also: Wenn ihr von unseren Slogans profitiert, spendet doch bitte zumindest einen Teil eurer Einnahmen an Frauenrechtsorganisationen, und nehmt den Tag zum Anlass um die Arbeitsbedingungen für eure eigenen Mitarbeiterinnen zu verbessern!

Natürlich übertreffen die positiven Entwicklungen, die der Weltfrauentag ins Rollen bringt bei Weitem den nervigen Mist den manche Firmen anstellen. Gemeinnützige Organisationen sammeln weltweit große Summen Spenden um die Situation von Frauen zu bessern. Tausende Frauen marschieren überall um zu protestieren, auf Missstände aufmerksam zu machen und das Solidaritätsgefühl zu steigern. Wichtige Diskussionen werden angestoßen und ausgeführt, über Frauen in der Politik, Frauen in der Arbeitswelt, toxische Männlichkeit, und noch viel mehr. Wohin sie führen werden wir sehen. Große und kleine Gesten sorgen dafür, dass Frauen sich wahrgenommen und wertgeschätzt fühlen. Das Bundesland Berlin hat den Weltfrauentag zum Feiertag erklärt. Der Chef meiner Tante hat allen Mitarbeiterinnen und Patientinnen eine Blume mitgebracht. Sowas eben. Also, im Großen und Ganzen ist der Weltfrauentag in der Tat eine großartige, wunderbare Sache! Ihn hat nur noch nicht jede*r ganz verstanden.

Ganz ehrlich: Ich habe den Abend damit verbracht, einen Mann zu feiern. Mein Bruder hatte Geburtstag, und diese Terminüberschneidung ist ja nicht wirklich seine Schuld, oder? Er ist die meiste Zeit großartig und hat es ja nun mal auch verdient einmal im Jahr gefeiert zu werden (Sagt ihm nicht, dass ich das gesagt habe.) Außerdem konnte ich so die Gesellschaft meiner Mama, meiner Omas, Tanten und Cousinen genießen, und das ist echt die beste Gruppe um zusammen Frauen zu feiern. Und ich habe mir ein Frauenbuch bestellt: The Cows, von Dawn O‘Porter. Das habe ich gestern zu lesen angefangen und bin ganz begeistert! Es wäre die perfekte Lektüre für eine lange Busreise – ach hätte es da nur ein überzeugendes Angebot gegeben!

In diesem Sinne: Fröhlichen Frauentag! Auf das nächste Jahr!

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