Warum ich in mehr als nur einer Sprache schreibe

Worte

Deutsch ist meine Muttersprache. In ihr habe ich sprechen und schreiben gelernt und, sobald ich es konnte, hab ich zehn Jahre lang fast nur auf Deutsch gelesen und geschrieben. Meine ersten Versuche in kreativem Schreiben trugen so vielversprechende Namen wie „Franz und Franziska Fasan“ (in Zusammenarbeit mit Oma Edith), „Rebecca und die Rettung der Delfine“ (in Zusammenarbeit mit meiner Cousine Vera) und „Ausreden&CoKG“ (eine Sammlung von ausführlichen Ausreden die eine Gruppe Geschwister jeden Morgen erzählte um ihr Zuspätkommen in der Schule zu erklären. Das hab ich mir ganz allein ausgedacht, oh ja!). Und natürlich habe ich immer schon auf Deutsch mit meiner Familie, meinen Freunden, und so ziemlich jedem anderen Menschen, der mir in meinem Alltag begegnet kommuniziert.

Die Sprachsituation hat sich zum ersten Mal leicht verändert als ich in der Jahrgangsstufe 11 nach Ontario, Kanada durfte. Hier war ich – Überraschung! – drei Monate lang nur von Englisch umgeben. Ich schaute englischsprachiges Fernsehen, verstand nach und nach immer mehr englische Songtexte und begann sogar auf englisch zu träumen. Als ich wieder nach Hause kam, war es nicht ganz einfach mich wieder umzugewöhnen, aber es hat doch im Großen und Ganzen ganz gut geklappt.

Das wurde dann nochmal deutlich anders als ich mich entschied Englische Literaturen und Kulturen zu studieren. Plötzlich war der Großteil meines Lesestoffs auf Englisch. Texte in Übersetzung fingen an mich zu ärgern, weil sie immer leicht falsch klangen, konstruiert und irgendwie künstlich. Mit Film und Fernsehen war es das Gleiche: die deutschen Synchronisationen störten mich mehr und mehr. Je mehr Sendungen man in der Originalsprache guckt, desto mehr gewöhnt man sich daran, und dann ist irgendwann der Punkt erreicht von dem es kein zurück mehr gibt. Heute schaue oder lese ich fast nichts mehr auf Deutsch, es sei denn das Programm oder der Text wurden ursprünglich auf Deutsch oder in einer mir unbekannten Sprache geschaffen.

Es gibt wird aber deutlich weniger deutschsprachiger Output erzeugt als englischsprachiger, denn der Markt ist natürlich viel viel kleiner. Englische Fernsehprogramme und Bücherregale bieten mir also eine um ein Vielfaches größere Auswahl als deutsche. Außerdem, gerät man leicht in einen Teufelskreis: Während ich zum Beispiel etwas aus Großbritannien anschaue oder lese, wird etwas anderes erwähnt, das irgendwie mit dem ersten Programm oder Buch verknüpft ist, oder so ähnlich ist, oder einfach auch spannend klingt. Diesen Tipp nehme ich also auf meine Liste von Dingen auf die ich bald auch mal gucken/hören/lesen möchte und durch den Schneeballeffekt passiert es ganz schnell, dass ich kopfüber in diesem einen kulturellen Kontext verbuddelt bin. So kam es, dass ich, obwohl ich in Deutschland leben und jeden Tag mit meinen Mitmenschen Deutsch spreche, mich oft in der britischen Kulturlandschaft besser auskenne und wohler fühle.

Dieses Ungleichgewicht zwischen der Sprache in der ich Kultur konsumiere, Englisch, und der Sprache in der ich kommuniziere, Deutsch, katapultiert mich oft in die grüßten Verwirrungen. Es ist ganz schön schwierig, etwas, das ich auf Englisch gelesen, gehört oder gesehen habe, später jemand anderem auf Deutsch zu erklären. Manchmal fühle ich mich in keiner der beiden Sprachen mehr sicher. Von den feinen kulturellen Unterschieden wollen wir gar nicht erst anfangen! Versucht ihr doch mal, skeptischen Deutschen den Charme des Great British Bake-Off zu erklären, oder Nicht-Deutschen klar zu machen, warum Fack Ju Göthe zum Brüllen komisch ist, dann wisst ihr was ich meine.

Mein Sprachzentrum stürzte in noch größeres Chaos als ich einige Monate in Italien studiert habe und fängt heute noch an wild in meinem Kopf herumzuhüpfen wann immer ich mit Freunden von dort spreche. Oder wenn ich Urlaub in Frankreich mache. Oder wenn meine dänische Verwandtschaft zu Besuch ist (was leider nicht oft genug vorkommt um ordentlich dänisch zu lernen, aber doch jedes Mal die paar dänischen Worte die ich kann komplett willkürlich in meinem Kopf herumschleudert). Wenn ich also im Gespräch gelegentlich arg durcheinander scheine und mich nicht für eine Sprache entscheiden kann – nehmt‘s mir bitte nicht übel! Ich mach‘s nicht extra.

Beim Schreiben halte ich mich mittlerweile fast immer ans Englische, einfach weil ich für die Uni jahrelang alles auf englisch schreiben musste – Aufsätze, Hausarbeiten, Textanalysen – und es sich deshalb natürlicher für mich anfühlt. Aber ich möchte, dass alle meine Familienmitglieder, Freund*innen und Bekannten die Möglichkeit haben, diese Website zu lesen; deshalb werde ich versuchen alle Texte zu übersetzen. Am Anfang jedes Beitrags sollte ein Link zur jeweils anderen Sprachversion sein, also such dir einfach aus, was du lieber magst – viel Spaß beim Lesen!!

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